Das Gasthaus »Zum Bären« mit dem Hotel »Gautinger Hof«
Das Gasthaus »Zum Bären« wurde 1911 von dem Architekten Christian Kessler erbaut. Dazu gehörte, neben den Wirtschaftslokalitäten, auch eine Metzgerei. Es war das architektonische, gastronomische und zeitweise auch das gesellschaftliche Zentrum der über hundertjährigen Gautinger Villenkolonie.
An hohen Festtagen waren die besseren Leute zu Gast. Die Gautinger Maler Schellinger, Kleemann und Olde hatten hier ihren Stammtisch und der Pen-Club sowie der Schachclub ihren Treffpunkt. Die Künstler und Schauspieler waren die Ärmsten. Die damalige Wirtin, Frau Bauer, hat ihnen oft Extraportionen zugeteilt.
1941 erwarb die Pschorr-AG das Anwesen. Der Wirt, Hans Bauer, kommt 1941 zum Militär. Frau Bauer führte mit vier Kindern Gasthaus und Metzgerei.
1944 wurde der »Bär« Herberge für 33 sudetendeutsche Flüchtlinge. Sie schliefen auf dem Fußboden und den Tischen. Die Mieter im Haus nahmen ausgebombte Münchner auf. Der Keller des »Bären« wurde öffentlicher Luftschutzraum und am Ende des Krieges wurde der Speicher zum Versteck für Schmuck und Wertsachen.
Im April 1945 kamen die Amerikaner. Die Wirtsleute wurden in das Nebengebäude umquartiert und die Wirtschaft zum Offizierskasino erklärt. Den Besatzungssoldaten folgten Flüchtlinge als Hausbewohner.
Der Wirt kehrte 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück und die Blütezeit des »Bären« als altbayrische Wirtschaft begann. Jeden Dienstag wurden acht Schweine und vier Kälber geschlachtet. Jeden Tag gab es frische Weißwürste und einmal in der Woche frisches Kesselfleisch. Berühmt war Lilly Bauers »Schweinebraten mit Sauerkraut und Knödel«. Der Ausflugsverkehr florierte. Die Wirtschaft war immer voll und am Sonntag gingen über 300 Essen raus. Auch die Gassenschänke sprudelte.
1954/55 richtete der damalige Wirt Fremdenzimmer ein. Zu den Gästen zählte Martin Walser, der die Wirtin in seinem Buch »Seelenarbeit« mehrfach erwähnt.
Nach 1972 empfahl sich einer der nachfolgenden Pächter mit seinen Grillspezialitäten. Im Sommer bruzzelte es unter den Kastanien im schönen Wirtsgarten. Der Jugend war er wegen seines »Langhaarigen-Verbotes« suspekt. Dem Gautinger Filmemacher, Maler und Autoren Herbert Achternbusch erteilte er sogar Lokalverbot.
Ende der achtziger Jahre wurde das Haus behutsam renoviert um es wieder zu dem zu machen, was es einmal war: Zum Wirtshaus für die Kolonie.
Seit Juli 2004 ist Hotel und Gasthof von Frau Izumi Sammer gepachtet. Das von Grund auf renovierte Hotel mit den neu verliehenen 3 Sternen wird sowohl von Geschäftsleuten, als auch von Urlaubern und Gästen privater Veranstaltungen von Anfang an sehr gerne besucht.
Familie Sammer hat mit gutbürgerlicher Küche und dem herrlichen Wirtsgarten viele neue Stammgäste gewonnen.